Lloret oder Calella?
Geschrieben am Juli 5, 2009
Kategorie: Alltag | Kommentieren
Wer auch der Meinung ist, dass man in jungen Jahren mal einen richtigen Partyurlaub mitgemacht haben sollte, der wird sich wünschen, ein Mal beim legendären Spring Break dabei gewesen zu sein. Doch um sich dieses absolute Partyerlebnis zu geben, ist es nicht nötig, bis nach Amerika zu reisen. Denn als das „Spring Break Europas“ bezeichnet man die Partystrände der Costa Brava in Spanien. Ich war dieses Jahr das zweite Mal dort.
Wer die Reise antritt muss sich zu allererst für eine Stadt entscheiden, Calella oder Lloret. Die Partystädte liegen zwar dicht beieinander (20 Minuten Busfahrt), allerdings gibt es zwischen ihnen selbst gravierende Unterschiede, die man je nach persönlichen Präferenzen in seine Entscheidung mit einfließen lassen sollte.
Der wohl bekannteste Ort an der Costa Brava ist „Lloret de Mar“. Riesige Großraumdiscos mit mehreren Etagen und Dachterrassen sind das Aushängeschild dieser Stadt. Ihren Ruf als Partystadt hat Lloret wohl verdient.
Meine Freunde und ich waren auch auf einen Partyurlaub aus. Wir sind nach Calella gefahren. Und warum? Das will ich euch im Folgenden erklären und euch „Calella de Mar“ ans Herz legen.
Der wohl wichtigste Grund für unsere Entscheidung war, dass wir tagsüber ein bisschen Urlaub haben wollten, bis abends überall die Partys steigen. Calella bietet dafür in erster Linie einen riesigen Strand, auf dem alle Urlauber genug Platz haben und man, wenn man will, keine unmittelbaren Nachbarn dulden muss. Lloret hingegen hat bei einer viel größeren Zahl an Urlaubern einen viel kleineren Strand. Hier liegen die Leute auf der Länge von kaum mehr als 300 Metern dicht an dicht und werden beim Schwimmen oft sogar noch durch anlegende Boote gestört. Dieser Punkt hat uns bereits für unsere Entscheidung gereicht, da es in beiden Orten ordentliche Discos gibt. Leider muss man sagen, ist der Sand an beiden Stränden sehr körnig, woraufhin einige meiner Freunde ihren Unmut über das komische Gefühl beim Laufen am Strand äußerten.
Die Hotels nehmen sich in beiden Städten, soweit ich das beurteilen kann, nicht viel. Das Essen ist grauenhaft, trotzdessen wir in einem Hotel mit drei Sternen waren. Dies ist aber eigentlich auch der einzige Kritikpunkt, den man dem Hotel vorhalten könnte. Mit dem „All-inklusive“-Angebot kann man sich jederzeit kleine Snacks an der Bar holen, sowie viele Unterschiedliche Getränke (Cola, Fanta, Wodka, Bier, Säfte, etc.) trinken. Insofern kann man sich eigentlich nicht beschweren.
Die Discos in Calella sind auch vollkommen in Ordnung, wenngleich von der Größe her viele deutsche Clubs wohl locker mithalten können. Doch das außergewöhnliche Flair bringt den spanischen Clubs hier wohl doch einen kleinen Vorsprung. Wer wirklich riesige Discos sehen will, der kommt um Lloret nicht herum. Das sollte man jedoch nicht zwingend zum Hauptkriterium machen. Nach drei oder vier Tagen Party am Stück haben selbst hartgesottene Discogänger irgendwann genug und wollen lieber einen Abend entspannt verbringen. Hierfür ist Calella sicher besser geeignet. Dennoch braucht niemand auf die Eindrücke von Lloret zu verzichten. Fast alle Reiseanbieter bieten neben anderen Ausflügen wie Gotcha, einer Katamaranfahrt oder einem Trip nach Barcelona auch „Lloret by Night“ an. Dieses Angebot beinhaltet eine Nacht lang den Aufenthalt in Lloret, mit Busfahrt und allem was dazu gehört, in der man die Stadt unsicher machen kann. Das reicht vollkommen. Wenn man das Bedürfnis nach mehr als einem Abend hat, kann man so einen Ausflug aber auch leicht selbst organisieren, die Busverbindungen zwischen den beiden Städten sind sehr gut.
Nicht lange nach eurer Ankunft in Spanien, werden euch eure Reiseanbieter das Angebot einer „Costa Brava Clubcard“ (oder ähnlichem) nahe legen. Diese ist zwar mit Preisen zwischen 25 und 35 Euro subjektiv relativ teuer, aber auf Grund der unzähligen Vergünstigungen in Discos und bei Ausflügen habt ihr das Geld schon nach der zweiten Nacht locker wieder drin. Hier sollte man nicht am falschen Ende sparen, sonst könnte euer Geldbeutel nach dem Urlaub sehr leer aussehen.
Zu der Frage, wie man am besten an die Costa Brava kommen sollte, kann ich keine klare Position einnehmen. Im letzten Jahr bin ich mit dem Bus gefahren, dieses Jahr geflogen. Fliegen ist auf jeden Fall mehr Stress, aber von der Zeitspanne her wohl nur ein Drittel der Länge der Busfahrt (mit Fahrt zum Flughafen, Einchecken, etc. – der Flug an sich dauert weniger als zwei Stunden). Mit dem Bus seid ihr je nach Verkehrslage und Fahrer zwischen 18 und 24 Stunden unterwegs. Das ist schon nicht wenig und schlaucht durchaus – hört sich aber auch eigentlich schlimmer an, als es wirklich ist. Dafür ist die Busreise auch um einiges billiger als der Flug und je nach Gruppengröße holt euch der Bus sogar am Wunschort ab. Ich muss sagen, dass ich den Flug leicht bevorzuge, da ich am Ende von Urlauben generell dazu neige, schnell nach Hause zu wollen und daher das Zeitargument für mich überwiegt. Zum Reiseanbieter kann ich sagen, dass ich in beiden Jahren sehr zufrieden war. Sowohl Mangotours als auch fun-Reisen haben ein gutes Angebot, nette Teamer und sind jederzeit für Fragen offen.
Wenn ich mich erneut entscheiden müsste, würde ich Calella jederzeit wieder den Vorzug geben, wenn ich zwar Party, aber auch ein bisschen Erholung haben möchte. Den Tag nett an einem nicht überfüllten Strand verbringen, dann abends ordentlich Feiern. So sollte es sein.
Eine Warnung sei aber zuletzt auf jeden Fall noch ausgesprochen: die Kriminalität in spanischen Touristenstädten ist generell sehr hoch, bei einer aktuellen Arbeitslosenquote von über 20% – jeder fünfte Spanier hat keinen Job! – aber auch nicht verwunderlich. Doch nicht nur Beschaffungskriminalität ist verbreitet, hin und wieder kommt es auch vor, dass Mädels irgendwo aufwachen und gar nicht wissen was passiert ist, da ihnen K.O.-Tropfen ins Glas gefüllt wurden.
Zitat unseres Reiseleiters: „Früher war das schlimm, aber mittlerweile kommt es zum Glück nicht mehr so oft vor – nur noch ca. ein Mal pro Woche.“
Ich glaube dieses Zitat brauche ich nicht weiter zu kommentieren. Bitte Mädels, passt überall an der Costa Brava unbedingt auf Eure Getränke auf und macht euch nachts nicht allein auf den Heimweg!
Abschließend kann ich sagen, dass ich beide Urlaube in Spanien sehr genossen habe und Calella jederzeit wieder besuchen würde. Ich hoffe euch bei eurer Entscheidung geholfen zu haben. Einen schönen Urlaub! Bitte scheut euch nicht, in den Kommentaren auch eure Eindrücke und Erlebnisse zu schildern oder Rückfragen zu stellen.

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